Der Rückzug als Kriegsführung mit anderen Mitteln
Wer sich den für 2011 in den Medien angekündigten Truppenabzug der USA aus Afghanistan als ein Ende der Intervention am Hindukusch vorstellt, wird eine Enttäuschung erleben.
In den letzten Wochen wurde das Publikum schon darauf eingestellt, die Erwartungen nicht zu hoch zu stecken. Der Termin Juli 2011 sei nicht in Stein gemeißelt, heißt das bei General Petraeus. Der General interpretiert seinen Präsidenten so, dass es sich beim Rückzug „um einen Prozess handeln wird, nicht um ein Ereignis, und dass dieser Prozess von Rahmenbedingungen abhängen wird."
Vorstellbar ist für ihn im nächsten Sommer, der Abzug von 2.000 der über 100.000 US-Soldaten in Afghanistan. Vorstellbar, wie gesagt. Generalleutnant Bill Caldwell, Verantwortlicher der NATO für die Ausbildung von afghanischen „Sicherheitskräften“, hat dieser Tage klar gemacht, dass die Aufstellung einheimischer Hilfstruppen weit hinter dem Zeitplan herhinkt. Ziel sei der Aufbau einer afghanischen Armee von 172.000 Soldaten und einer paramilitärischen Polizeitruppe von 134.000 Mann. Derzeit sei man bei 134.000 Soldaten und 116.000 „Polizisten“ angelangt. Aber um Ausfälle durch Desertion oder Verletzung auszugleichen, müssten 141.000 Afghanen rekrutiert und ausgebildet werden, um 56.000 Militärs zu bekommen. Wer wissen will, wie eine sogenannte „Nachsorge“, also eine Intervention mit anderen Mitteln in Afghanistan aussehen kann, wird leicht fündig. Im Irak soll laut US-Präsident Obama mit dem 31. August 2010 „Amerikas Kampfauftrag enden“. Dennoch werden weiter 50.000 US-Soldaten im Land bleiben und sich mit Aufstandsbekämpfung befassen. In den Worten des US-Vizepräsidenten werden die US-Truppen im Irak auch künftig nicht aus Ausbildern, sondern aus Leuten bestehen „die gezielt schießen und die schlimmen Jungs fangen können.“ Alles deutet darauf hin, dass die USA sich auch über das Jahr 2011 hinaus, weitere Stationierungsrechte im Irak sichern werden. Inzwischen werden dort Special Operation Forces aus Irakern aufgebaut, die einer speziell geschaffenen „Antiterrorbehörde“ unterstellt sind und bei der irakischen Bevölkerung als verlängerter Arm der US-Militärs und als besonders brutal und rücksichtslos gegenüber Zivilisten gelten. Zukünftig werden die USA sich bemühen, möglichst wenige Fußabdrücke der eigenen Truppen zu hinterlassen. Spezialeinheiten, Söldner, einheimische Hilfstruppen, Geheimdienstoperationen, gezielte Tötungen, Drohneneinsätze - das sind Mittel der künftigen „Machtprojektion“ des Westens in Afghanistan, im Irak und in anderen Ländern. Aktuell berichten US-Medien über eine Ausweitung des Krieges mit Drohnen im Jemen. Spezialeinheiten der US-Armee und die CIA sollen derzeit Start- und Landeplätze, Ausrüstung und Radareinrichtungen im Jemen, in Kenia, in Djibouti und in Äthiopien für Einsätze im Jemen vorbereiten.
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